Folgenabschätzung zur Anpassung der Haltung von Sauen im Deckzentrum

Sophie Meyer-Hamme, Stephan Fritzsche, Wilfried Hartmann

Abstract


Das Oberverwaltungsgericht (OVG) Sachsen-Anhalt hat am 24.11.2015 über die Auslegung des § 24 Absatz 4 der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung geurteilt. Danach müssen Kastenstände so beschaffen sein, dass jedes Schwein ungehindert aufstehen, sich hinlegen sowie den Kopf und in Seitenlage die Gliedmaßen ausstrecken kann. Für eine Abschätzung der betriebswirtschaftlichen Kosten von Anpassungsmaßnahmen wurden vier unterschiedliche Stalltypen zur Ferkelerzeugung ausgewählt, an denen beispielhaft verschiedene Szenarien betrachtet und die Mehrkosten bzw. Mindererlöse (bei Bestands­abstockung) ermittelt werden.
Je nach Wochenrhythmus und Art der Gruppenhaltung für tragende Sauen entstehen unterschiedlich hohe Mehrkosten bzw. muss der Bestand ohne Anbau unterschiedlich reduziert werden. Eine Bestandsabstockung, die sich u. a. bei dem Einbau breiterer Kastenstände zwingend ergibt, ist mit sehr hohen Kosten bzw. Mindererlösen verbunden und sollte aus betriebswirtschaftlicher Sicht vermieden werden. Ein Anbau zum Ausgleich für die reduzierten Plätze ist grundsätzlich günstiger. Betriebe, die einen 3-Wochen-Rhythmus praktizieren, müssen gegenüber Betrieben mit 1-Wochen-Rhythmus mit wesentlich höheren Kosten rechnen. Wenn sich die Verweildauer der Sauen im Kastenstand verringert, bleibt das Deckzentrums bei einem 3-Wochen-Rhythmus für einen längeren Zeitraum ungenutzt. Betriebe mit Großgruppenhaltung im Wartebereich können mit geringeren Mehrkosten kalkulieren als Betriebe mit Kleingruppenhaltung für tragende Sauen. Die günstigste Variante für den Umbau des Deckzentrums ist die Gruppenhaltung mit Fixierung im klappbaren Stand. Allerdings kann auch bei diesem Szenario die Fruchtbarkeitsleistung beeinträchtigt werden und die Anforderungen an das Management sind vergleichsweise hoch.

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DOI: http://dx.doi.org/10.15150/lt.2017.3169

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